Anders Behring Breivik (IPA: ['andəʂ 'beːriŋ 'bræɪviːk], Pseudonyme Andrew Berwick und Sigurd Jorsalfar; * 13. Februar 1979 in London]) ist ein mutmaßlicher antimuslimischer Terroris. Er wurde am 22. Juli 2011 als Tatverdächtiger im Zusammenhang mit den Anschlägen in Norwegen 2011 festgenommen. Breivik gestand die Tat am nächsten Tag und äußerte sich zu seinen Motiven.
Der gebürtige Norweger wuchs in gut situierten Verhältnissen im Osloer Westen auf. Seine Eltern ließen sich ein Jahr nach seiner Geburt (1980) scheiden. Bis kurz vor der Tat wohnte Breivik bei seiner Mutter, einer ausgebildeten Krankenschwester, während er zu seinem Vater, einem früheren Diplomaten, seit 1995 keinen Kontakt mehr hat. Breivik besuchte Schulen in westlichen Stadtteilen der norwegischen Hauptstadt und legte sein Abitur am angesehenen Handelsgymnasium Oslo ab.Nachdem er seinen Wehrdienst abgeleistet hatte, versuchte er erfolglos, verschiedene Firmen zu etablieren, so etwa ein Unternehmen, das sich auf den Verkauf ausländischer Waren in Norwegen spezialisierte, sowie ein Online-Handelsgeschäft.Eigenen Angaben zufolge verdiente er mit dem Vertrieb von Computer-Software circa vier Millionen norwegische Kronen, die er für den Aufbau einer anti-islamischen Organisation verwenden wollte. Bei Börsenspekulationen hätte er jedoch das Geld wieder verloren.
Im Mai 2009 ließ er das in der Gemeinde Åmot ansässige Agrarunternehmen Breivik Geofarm im Handelsregister eintragen.Laut Registereintrag wollte sich Breivik dem „Anbau von Gemüse, Melonen, Wurzel- und Knollengewächsen“ widmen. Für das Unternehmen, das er alleine betrieb, kaufte er am 4. Mai 2011 sechs Tonnen Kunstdünger, der nach Angaben der Polizei zum Bombenbau verwendet worden sein könnte.Einige Tage nach den Anschlägen fand die Polizei auf dem Gelände von Breiviks Farm Sprengstoff, den sie kontrolliert zur Explosion brachte.Auf seinen Namen sind im staatlichen Register zwei Waffen eingetragen, darunter eine Pistole des Herstellers Glock und ein halbautomatisches Selbstladegewehr des Typs Ruger Mini-14.
Breivik war von 1999 bis 2006 Mitglied der rechtspopulistischen Fremskrittspartiet. Zwischen 1997 und 2007 engagierte er sich in der Jugendorganisation der Partei und war dort in verschiedenen Funktionen tätig. Von Januar bis Oktober 2002 leitete er den Ortsverband Oslo West, anschließend war er bis zum November 2004 im Vorstand des Ortsverbandes tätig. Breivik war bis zum Bekanntwerden seiner Tat Mitglied der Johannisloge St. Olaus til de tre Søiler, einer christlichen norwegischen Freimaurerloge, in der er den dritten Grad erworben haben soll.
Von 2005 bis 2007 und von Juni 2010 bis zu seinem Ausschluss kurz nach den Attentaten gehörte Breivik dem Oslo Pistolklubb an, einem unpolitischen Sportschützenverein in Oslo, der im norwegischen Schützen- und Sportverband organisiert ist. Er nahm laut Angaben des Vereins ab Juni 2010 an 13 organisierten Trainingseinheiten und einem Wettbewerb teil, ohne dem Verein in Bezug auf politische Standpunkte oder auf andere Weise aufgefallen zu sein.
Breivik setzte am 22. Juli 2011, als Polizist getarnt, auf die Insel Utøya über, auf der das alljährliche Zeltlager der sozialdemokratischen Jugendorganisation Arbeidernes Ungdomsfylking stattfand. Zuerst gewann er das Vertrauen einiger der anwesenden Jugendlichen, eröffnete dann ohne Vorwarnung das Feuer auf sie und tötete im Laufe von etwa 60 Minuten insgesamt 68 Menschen. Er wird auch mit den Bomben in Verbindung gebracht, die etwa zwei Stunden zuvor in Oslo detoniert waren und acht Menschen töteten. Er wurde auf Utøya festgenommen und befindet sich in Polizeigewahrsam. Ob Breivik allein gehandelt hat, ist nicht bekannt. Er behauptete zuletzt, Helfer gehabt zu haben.
Ideologischer HintergrundNach einer ersten Einschätzung des Fahndungschefs Øystein Mæland hat Breivik „wohl eine rechtsextreme, christlich-fundamentalistische Haltung“.Der norwegische Sozialwissenschaftler Lars Gule charakterisiert Breivik mit den Worten: „Er ist nationalkonservativ, nicht Nazi. Er hat eine konservative, christliche Ideologie, aber ich denke nicht, dass man ihn mit Recht einen christlichen Fundamentalisten nennen kann.“Angaben der schwedischen Expo-Stiftung zufolge war Breivik seit 2009 im rechtsextremen Forum nordisk.nu aktiv. Im norwegischen islamkritischen Forum Document.no hat Breivik 75 Beiträge hinterlassen. Unter anderem erklärte er hier, warum er die als zu gemäßigt und etabliert erachtete Fremskrittspartiet wieder verlassen habe. Er bezeichnete es als Fehler der Partei, dass sie „multikulturellen Forderungen und den suizidalen Idealen des Humanismus“ nachgegeben habe.In den letzten Jahren vor dem Anschlag beteiligte er sich am Aufbau eines norwegischen Ablegers der English Defence League, der Norwegian Defence League.
Unter dem Pseudonym Andrew Berwick hat Breivik die seiner Tat zugrunde liegenden Gedanken in einem über 1500-seitigen Manifest mit dem Titel 2083: A European Declaration of Independence ausgeführt. In der auf Englisch verfassten Schrift, deren Deckblatt das Kreuz des Templerordens zeigt,warnt er vor einer Bedrohung Europas durch „Multikulturalisten, Kulturmarxisten und kapitalistische Globalisten“. Bei der Schrift handelt es sich nicht um eine Monografie, sondern zu großen Teilen um ein Konvolut aus übernommenen Texten von islamfeindlichen Webseiten wie Gates of Vienna.An mehreren Stellen zitiert Breivik ausführlich Texte des norwegischen Bloggers Fjordman, den er als seinen „Lieblingsschriftsteller“ bezeichnet.
Wenige Stunden vor den Anschlägen stellte er ein etwa zwölf Minuten langes Video mit dem Titel Knights Templar 2083 ins Internet. Breivik beschreibt sich in seinen Veröffentlichungen als hochstehendes Mitglied einer Nachfolgeorganisation der Tempelritter, die angeblich 2002 in London gegründet worden ist. Er bezieht sich auf den Sieg über die Türken vor Wien 1683 und auf historische Gestalten aus der Reconquista und den Kreuzzügen, die er als Vorkämpfer gegen den Islam begreift: „Wir schauen darauf, was unsere Vorväter [...] taten und stellen fest, dass wir Europa nur retten können, wenn wir die Prinzipien unserer Vorfahren annehmen. [...] Vorwärts, christliche Kämpfer!“ Als wichtige Grundsätze nennt er explizit „Stärke, Ehre, Aufopferung und Märtyrertum“.
Breiviks Manifest enthält ein in Tagebuchform geführtes Protokoll über die Vorbereitung der Anschläge. Mehrere Passagen des Werkes sind fast wörtlich dem sogenannten Unabomber-Manifest (1995) des US-amerikanischen Bombenlegers Ted Kaczynski entnommen.
Vermutungen über psychischen ZustandDer forensische Psychologe Marc Sageman sieht einige Parallelen auch zur Persönlichkeitsstruktur Kaczynskis, der ebenfalls jahrelang an einem Manifest geschrieben habe, um dann mit Gewalttaten auf seine Theorien aufmerksam zu machen. Sageman sieht keine Hinweise für eine psychische Erkrankung bei Breivik. Der Philosoph Helge Høibraaten wendet sich dagegen, Breivik nur als einen Verrückten zu betrachten.
Breiviks Verteidiger Geir Lippestad hält den Täter „mit hoher Wahrscheinlichkeit [für] psychisch gestört“, gegebenenfalls für geisteskrank und schuldunfähig. Eine rechtspsychiatrische Untersuchung wurde angekündigt und dauere nach seinen Angaben sechs bis zwölf Monate.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Anders_Behring_Breivik
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Donnerstag, 28. Juli 2011
"Mein Kampf" für das Internetzeitalter
Ein Hirn als Filter des Wahnsinns: Warum man sich das bizarre Manifest des Massenmörders Anders Behring Breivik anschauen sollte.
Anders Behring Breivik ist kein unverstandenes Genie. Man darf sich nicht blenden lassen von der Aura des intelligenten Außenseiters, von der Systematik seines Vorgehens – und auch nicht von den 1518 Seiten jenes Manifests, das der Massenmörder vor seiner Tat an seine Facebook-Freunde verschickte, auch wenn der Text vor Zitaten von Karl Popper, Georg Lukács oder Edmund Burke nur so wimmelt.
In jenem Interview, das Breivik gegen Ende des Konvoluts mit sich selbst führt, gibt er nicht nur Hobbes, Clausewitz und Kafka als seine Lieblingsautoren an. Er benennt auch, wie ein Fünfzehnjähriger in einem Poesiealbum, sein Lieblingsbier (Budweiser), seine Lieblingsmarke (Lacoste) und seinen liebsten Duft (Chanel Platinum Egoiste). Das klingt nicht nach dem Fragebogen, den der Schriftsteller Marcel Proust in seinem Leben gleich zweimal ausfüllte.
Der Attentäter ist kein großer Denker
Nein, Breivik ist kein großer Denker. Aber er ist eben doch ein Denker, und allein der Umstand, dass er seiner Tat eine wildwuchernde und viel zu lange Abhandlung voranschickte, stellt eine besonders unheimliche Dimension dieses Terroranschlags dar.
Breivik genügten die in Heimwerkerarbeit verfertigten Bomben nicht, er lieferte der Öffentlichkeit auch das selbstgebastelte Weltbild mit – eine krude Mischung aus zusammenkopierter Theorie, kulturkritischen Aphorismen, romanhaften Tagebuchpassagen und technischen Anleitungen und zugleich der Versuch, die Weltsicht eines Außenseiters zur allumfassenden Großtheorie hochzurechnen.
Man kann ein Vorbild dieses Verfahrens im Manifest des als „Unabomber“ bekannten Terroristen Theodore Kaczynski finden, das von Breivik, wie genaue Leser im Internet schnell herausgefunden haben, tatsächlich seitenweise plagiiert wird.
Breivik bewunderte Hitler nicht
Aber den eigentlichen Urtext im Genre des terroristischen Bildungsromans stellt „Mein Kampf“ dar, jenes zweibändige Buch, das Adolf Hitler – für den Breivik nach Auskunft seiner Schriften keinerlei Bewunderung empfand – in der Landsberger Festungshaft verfasste.
Es ist eine seltsame Ironie der Geschichte, dass auf den norwegischen Terroristen nun eine lange Zeit der Gefängnishaft wartet, in der er sich als selbsternannter Vordenker einer konservativen Revolution in Europa sicher noch weitere Gedanken machen wird.
Dabei gibt es einen offensichtlichen Unterschied zwischen jenem Werk, in dem Hitler seine antisemitischen Überzeugungen aus seinen „Wiener Lehr- und Leidensjahren“ ableitet, und Breiviks zusammengeklaubtem Manifest mit dem seltsam filmhaften Titel „2083 – A European Declaration of Independence“.
Ein Manifest mit Tipps und Tricks
Hitler bemüht zumindest oberflächlich das alte Erzählmuster des Künstlerromans, bevor er sich in strategischen Kapiteln über Propaganda und Organisation oder die Gewerkschaftsfrage ergeht.
Breivik dagegen versucht erst gar keine Narration anzulegen. Sein Manifest beginnt allen Ernstes mit Tipps und Tricks, auf welchen Seiten man sich kostenlos das Microsoft-Office-Paket herunterladen kann, und Ausführungen darüber, dass PDFs größere Datenmengen als Worddokumente verbrauchten und daher zum Verschicken des Textes nicht die beste Wahl seien. Das ist propagandistische Prosa, wie sie ein Netzwerkadministrator verfasst haben könnte.
Auch in den inhaltlichen Kapiteln funktioniert die Abhandlung eher wie eine Aneinanderreihung von Wikipedia-Artikeln. Man kann für fast jeden Satz aus dieser klebrigen Textmasse bei Google eine mehr oder weniger obskure Quelle finden – ob es nun um die Frankfurter Schule und den Multikulturalismus geht, um Derrida und die Dekonstruktion, um Platons Staat oder den russisch-türkischen Krieg.
Halbverstandenes und Angelesenes
Selbst an der Hochschule für digitale Autodidakten hätte man dafür keinen Doktortitel bekommen. Und die Zitate von Konfuzius und Mark Twain wirken meistens so, als seien sie keine Früchte genauer Lektüre, sondern Funde aus Zitatabladeplätzen im Internet.
Aber auch Hitlers „Mein Kampf“ ist, wenn man es genau betrachtet, eine Schutthalde für Halbverstandenes und Angelesenes – und allein das Sachverzeichnis liest sich mit Einträgen wie „Beamtentum des alten Reiches unvergleichlich“, „Dadaismus“, „Karthago: Selbstverschuldeter Untergang“, „Tuberkulose“ und „Zeitungsleser: drei Gruppen“ wie eine surrealistische Enzyklopädie, und es fällt nicht leicht, sich vorzustellen, dass dieses über weite Strecken absurde Werk in den Jahren des Dritten Reichs jedem frischvermählten Paar zur Hochzeit geschenkt wurde.
Muss man Breiviks seltsames Machwerk nun also ernst nehmen, so wie man in den Zwanzigerjahren gut beraten war, Adolf Hitlers frühes Propagandawerk ernst zu nehmen? Ganz bestimmt nicht.
Aber es lohnt sich doch, das Manifest zu betrachten, um zu sehen, wie das paranoide Systemdenken unter den Bedingungen des Internetzeitalters aussieht. Dass Lektüre eine Quelle des Wahnsinns sein kann, ist eine uralte Einsicht. Das scheinbar futuristische Manifest des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik zeigt uns das Gehirn eines mittelbegabten Menschen als Filter für den Wahnsinn unserer Tage.
Quelle: welt.de
Anders Behring Breivik ist kein unverstandenes Genie. Man darf sich nicht blenden lassen von der Aura des intelligenten Außenseiters, von der Systematik seines Vorgehens – und auch nicht von den 1518 Seiten jenes Manifests, das der Massenmörder vor seiner Tat an seine Facebook-Freunde verschickte, auch wenn der Text vor Zitaten von Karl Popper, Georg Lukács oder Edmund Burke nur so wimmelt.
In jenem Interview, das Breivik gegen Ende des Konvoluts mit sich selbst führt, gibt er nicht nur Hobbes, Clausewitz und Kafka als seine Lieblingsautoren an. Er benennt auch, wie ein Fünfzehnjähriger in einem Poesiealbum, sein Lieblingsbier (Budweiser), seine Lieblingsmarke (Lacoste) und seinen liebsten Duft (Chanel Platinum Egoiste). Das klingt nicht nach dem Fragebogen, den der Schriftsteller Marcel Proust in seinem Leben gleich zweimal ausfüllte.
Der Attentäter ist kein großer Denker
Nein, Breivik ist kein großer Denker. Aber er ist eben doch ein Denker, und allein der Umstand, dass er seiner Tat eine wildwuchernde und viel zu lange Abhandlung voranschickte, stellt eine besonders unheimliche Dimension dieses Terroranschlags dar.
Breivik genügten die in Heimwerkerarbeit verfertigten Bomben nicht, er lieferte der Öffentlichkeit auch das selbstgebastelte Weltbild mit – eine krude Mischung aus zusammenkopierter Theorie, kulturkritischen Aphorismen, romanhaften Tagebuchpassagen und technischen Anleitungen und zugleich der Versuch, die Weltsicht eines Außenseiters zur allumfassenden Großtheorie hochzurechnen.
Man kann ein Vorbild dieses Verfahrens im Manifest des als „Unabomber“ bekannten Terroristen Theodore Kaczynski finden, das von Breivik, wie genaue Leser im Internet schnell herausgefunden haben, tatsächlich seitenweise plagiiert wird.
Breivik bewunderte Hitler nicht
Aber den eigentlichen Urtext im Genre des terroristischen Bildungsromans stellt „Mein Kampf“ dar, jenes zweibändige Buch, das Adolf Hitler – für den Breivik nach Auskunft seiner Schriften keinerlei Bewunderung empfand – in der Landsberger Festungshaft verfasste.
Es ist eine seltsame Ironie der Geschichte, dass auf den norwegischen Terroristen nun eine lange Zeit der Gefängnishaft wartet, in der er sich als selbsternannter Vordenker einer konservativen Revolution in Europa sicher noch weitere Gedanken machen wird.
Dabei gibt es einen offensichtlichen Unterschied zwischen jenem Werk, in dem Hitler seine antisemitischen Überzeugungen aus seinen „Wiener Lehr- und Leidensjahren“ ableitet, und Breiviks zusammengeklaubtem Manifest mit dem seltsam filmhaften Titel „2083 – A European Declaration of Independence“.
Ein Manifest mit Tipps und Tricks
Hitler bemüht zumindest oberflächlich das alte Erzählmuster des Künstlerromans, bevor er sich in strategischen Kapiteln über Propaganda und Organisation oder die Gewerkschaftsfrage ergeht.
Breivik dagegen versucht erst gar keine Narration anzulegen. Sein Manifest beginnt allen Ernstes mit Tipps und Tricks, auf welchen Seiten man sich kostenlos das Microsoft-Office-Paket herunterladen kann, und Ausführungen darüber, dass PDFs größere Datenmengen als Worddokumente verbrauchten und daher zum Verschicken des Textes nicht die beste Wahl seien. Das ist propagandistische Prosa, wie sie ein Netzwerkadministrator verfasst haben könnte.
Auch in den inhaltlichen Kapiteln funktioniert die Abhandlung eher wie eine Aneinanderreihung von Wikipedia-Artikeln. Man kann für fast jeden Satz aus dieser klebrigen Textmasse bei Google eine mehr oder weniger obskure Quelle finden – ob es nun um die Frankfurter Schule und den Multikulturalismus geht, um Derrida und die Dekonstruktion, um Platons Staat oder den russisch-türkischen Krieg.
Halbverstandenes und Angelesenes
Selbst an der Hochschule für digitale Autodidakten hätte man dafür keinen Doktortitel bekommen. Und die Zitate von Konfuzius und Mark Twain wirken meistens so, als seien sie keine Früchte genauer Lektüre, sondern Funde aus Zitatabladeplätzen im Internet.
Aber auch Hitlers „Mein Kampf“ ist, wenn man es genau betrachtet, eine Schutthalde für Halbverstandenes und Angelesenes – und allein das Sachverzeichnis liest sich mit Einträgen wie „Beamtentum des alten Reiches unvergleichlich“, „Dadaismus“, „Karthago: Selbstverschuldeter Untergang“, „Tuberkulose“ und „Zeitungsleser: drei Gruppen“ wie eine surrealistische Enzyklopädie, und es fällt nicht leicht, sich vorzustellen, dass dieses über weite Strecken absurde Werk in den Jahren des Dritten Reichs jedem frischvermählten Paar zur Hochzeit geschenkt wurde.
Muss man Breiviks seltsames Machwerk nun also ernst nehmen, so wie man in den Zwanzigerjahren gut beraten war, Adolf Hitlers frühes Propagandawerk ernst zu nehmen? Ganz bestimmt nicht.
Aber es lohnt sich doch, das Manifest zu betrachten, um zu sehen, wie das paranoide Systemdenken unter den Bedingungen des Internetzeitalters aussieht. Dass Lektüre eine Quelle des Wahnsinns sein kann, ist eine uralte Einsicht. Das scheinbar futuristische Manifest des norwegischen Massenmörders Anders Behring Breivik zeigt uns das Gehirn eines mittelbegabten Menschen als Filter für den Wahnsinn unserer Tage.
Quelle: welt.de
Breivik hatte Kontakt zu britischen Rechtsextremen
War der norwegische Attentäter Teil eines Terrornetzwerks? Er behauptet, Verbindungen in mehrere Länder gehabt zu haben.
In Europa wächst die Angst, dass der Attentäter Anders Breivik Teil eines internationalen rechtsextremen Terrornetzwerks sein könnte. „Wir können nicht ganz ausschließen, dass jemand anderes involviert war“, sagte der Osloer Chefankläger Christian Hatlo der britischen Zeitung „The Guardian“. „Dies basiert vor allem auf der Information, dass es noch zwei weitere Zellen gegeben habe.“
Auch Breiviks Anwalt Geir Lippestad erklärte auf einer Pressekonferenz, dass Breivik ihm gegenüber Komplizen erwähnt habe. Breivik habe behauptet, er sei Teil eines Netzwerks, von dem es zwei Zellen in Norwegen sowie mehrere weitere im Ausland gebe.
In seinem 1500-Seiten Manifest behauptet Breivik, Teil einer internationalen rechtsextremen Organisation mit dem Namen „Die Tempelritter“ zu sein. Es gebe neun Gründungsmitglieder aus acht Ländern. Organisiert sei die Gruppe in einem losen Netzwerk aus 15-80 Zellen, keine der Zellen habe mehr als drei Mitglieder.
Polizei sucht nach möglichen Komplizen
Bislang ist vollkommen unklar, ob diese Behauptungen stimmen. In seinem Manifest erwähnt Breivik einen angeblichen britischen Mitbegründer der „Tempelritter“, der ihm beim Gründungstreffen des Netzwerks im Jahr 2002 als „Richard the Lionhearted“ (Richard Löwenherz) vorgestellt wurde und in der Folge zu Breiviks Mentor wurde.
Der Zeitung „Daily Telegraph“ gelang es, einen vorbestraften Rechtsextremen aufzuspüren, der im Internet unter dem Namen „Lionheart“ bloggt. In seinem Blog schrieb er, dass es die Aufgabe der Tempelritter sei, Europa vor der Islamisierung zu retten.
Der Mann, der mit bürgerlichem Namen Paul Ray heißt, stritt gegenüber dem „Telegraph“ jegliche Kontakte zu Breivik ab. Dennoch sagte der britische Premier David Cameron vor Journalisten, dass er die Behauptungen Breiviks „sehr ernst“ nehme. Laut „Guardian“ sucht die britische Polizei derzeit nach möglichen Komplizen Breiviks in England.
Härter gegen die rechtsextreme Szene
Unterdessen scheint klar zu sein, dass Breivik intensiven Kontakt mit der britischen rechtsextremen Vereinigung English Defense League (EDL) unterhielt. Das britische Boulevardblatt „The Sun“ berichtet, Breivik habe im März an einer EDL-Kundgebung im englischen Newcastle teilgenommen. Darryl Hobson, der die Protestmärsche der EDL organisiert, bestätigte gegenüber dem „Telegraph“, dass mehrere Mitglieder seiner Organisation Breivik kennen gelernt hätten. Ein anderes EDL-Mitglied erklärte der Zeitung, dass er Breivik als „extrem intelligent, artikuliert und sehr umgänglich“ erlebt habe.
Die English Defense League organisiert Protestmärsche gegen eine angebliche „Islamisierung“ Englands, ihre Mitgliederzahl wird auf mehrere Tausend geschätzt. In seinem Manifest behauptet Breivik, die EDL von Anfang an mit „ideologischem Material“ versorgt zu haben.
In einer offiziellen Erklärung verurteilte die EDL die Tat. Dennoch könnte sie ihre Verbindung zu Breivik noch teuer zu stehen kommen: David Cameron hat bereits angekündigt, in Zukunft härter gegen die rechtsextreme Szene vorgehen zu wollen.
Quelle: welt.de
In Europa wächst die Angst, dass der Attentäter Anders Breivik Teil eines internationalen rechtsextremen Terrornetzwerks sein könnte. „Wir können nicht ganz ausschließen, dass jemand anderes involviert war“, sagte der Osloer Chefankläger Christian Hatlo der britischen Zeitung „The Guardian“. „Dies basiert vor allem auf der Information, dass es noch zwei weitere Zellen gegeben habe.“
Auch Breiviks Anwalt Geir Lippestad erklärte auf einer Pressekonferenz, dass Breivik ihm gegenüber Komplizen erwähnt habe. Breivik habe behauptet, er sei Teil eines Netzwerks, von dem es zwei Zellen in Norwegen sowie mehrere weitere im Ausland gebe.
In seinem 1500-Seiten Manifest behauptet Breivik, Teil einer internationalen rechtsextremen Organisation mit dem Namen „Die Tempelritter“ zu sein. Es gebe neun Gründungsmitglieder aus acht Ländern. Organisiert sei die Gruppe in einem losen Netzwerk aus 15-80 Zellen, keine der Zellen habe mehr als drei Mitglieder.
Polizei sucht nach möglichen Komplizen
Bislang ist vollkommen unklar, ob diese Behauptungen stimmen. In seinem Manifest erwähnt Breivik einen angeblichen britischen Mitbegründer der „Tempelritter“, der ihm beim Gründungstreffen des Netzwerks im Jahr 2002 als „Richard the Lionhearted“ (Richard Löwenherz) vorgestellt wurde und in der Folge zu Breiviks Mentor wurde.
Der Zeitung „Daily Telegraph“ gelang es, einen vorbestraften Rechtsextremen aufzuspüren, der im Internet unter dem Namen „Lionheart“ bloggt. In seinem Blog schrieb er, dass es die Aufgabe der Tempelritter sei, Europa vor der Islamisierung zu retten.
Der Mann, der mit bürgerlichem Namen Paul Ray heißt, stritt gegenüber dem „Telegraph“ jegliche Kontakte zu Breivik ab. Dennoch sagte der britische Premier David Cameron vor Journalisten, dass er die Behauptungen Breiviks „sehr ernst“ nehme. Laut „Guardian“ sucht die britische Polizei derzeit nach möglichen Komplizen Breiviks in England.
Härter gegen die rechtsextreme Szene
Unterdessen scheint klar zu sein, dass Breivik intensiven Kontakt mit der britischen rechtsextremen Vereinigung English Defense League (EDL) unterhielt. Das britische Boulevardblatt „The Sun“ berichtet, Breivik habe im März an einer EDL-Kundgebung im englischen Newcastle teilgenommen. Darryl Hobson, der die Protestmärsche der EDL organisiert, bestätigte gegenüber dem „Telegraph“, dass mehrere Mitglieder seiner Organisation Breivik kennen gelernt hätten. Ein anderes EDL-Mitglied erklärte der Zeitung, dass er Breivik als „extrem intelligent, artikuliert und sehr umgänglich“ erlebt habe.
Die English Defense League organisiert Protestmärsche gegen eine angebliche „Islamisierung“ Englands, ihre Mitgliederzahl wird auf mehrere Tausend geschätzt. In seinem Manifest behauptet Breivik, die EDL von Anfang an mit „ideologischem Material“ versorgt zu haben.
In einer offiziellen Erklärung verurteilte die EDL die Tat. Dennoch könnte sie ihre Verbindung zu Breivik noch teuer zu stehen kommen: David Cameron hat bereits angekündigt, in Zukunft härter gegen die rechtsextreme Szene vorgehen zu wollen.
Quelle: welt.de
Breivik wäre auf Utoya fast erschossen worden
Die norwegische Polizei stand auf Utoya unmittelbar davor, den Attentäter zu erschießen. In letzter Sekunde rettete ihn sein eigenes Verhalten.
Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik ist von der Polizei auf der Insel Utoya beinahe erschossen worden. Wie die norwegische Nachrichtenagentur "NTB" berichtet, hatten Mitglieder der Spezialeinheit bereits auf den 32-Jährigen angelegt. Der Schießbefehl sei in letzter Sekunde zurückgenommen worden, als Klarheit darüber bestand, dass Breivik unbewaffnet war.
Der Leiter der Spezialkräfte, Anders Snortheimsmoen, sagte auf einer Pressekonferenz, die Entscheidung sei sehr schwer gewesen. Breivik habe seine Waffe aber nach Aufforderung fallengelassen und sei mit erhobenen Armen auf die Beamten zugegangen. Hätte er das nicht so schnell getan, sei er erschossen worden. Die Beamten hatten befürchtet, er könne Sprengstoff am Körper tragen.
Unterdessen verdichten sich die Hinweise darauf, dass Breivik die Anschläge allein ausgeführt hat. Die Chefin des norwegischen Geheimdienstes PST, Janne Kristiansen, bezeichnete ihn Berichten zufolge als "einsamen Wolf, der unter alle unsere Radarsysteme schlüpfen konnte". Dem britischen Sender BBC sagte sie: "Breivik hat allein gehandelt." Sie wies außerdem die Vermutung von Breiviks Anwalt Geir Lippestadt zurück, der Attentäter sei geisteskrank.
Norwegens Premierminister Jens Stoltenberg kündigte eine umfassende Aufklärung der Anschläge an. Norwegen arbeite mit den Geheimdiensten mehrerer Länder zusammen, sagte er auf einer Pressekonferenz. Stoltenberg betonte, das Land werde sich von der Gewalt nicht einschüchtern lassen. "Die Antwort von Norwegen auf Gewalt ist immer mehr Offenheit, mehr Demokratie." Zwar akzeptiere man verschiedene Ansichten, selbst extremistische. "Aber wir werden nie Gewalt akzeptieren."
Quelle: welt.de
Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik ist von der Polizei auf der Insel Utoya beinahe erschossen worden. Wie die norwegische Nachrichtenagentur "NTB" berichtet, hatten Mitglieder der Spezialeinheit bereits auf den 32-Jährigen angelegt. Der Schießbefehl sei in letzter Sekunde zurückgenommen worden, als Klarheit darüber bestand, dass Breivik unbewaffnet war.
Der Leiter der Spezialkräfte, Anders Snortheimsmoen, sagte auf einer Pressekonferenz, die Entscheidung sei sehr schwer gewesen. Breivik habe seine Waffe aber nach Aufforderung fallengelassen und sei mit erhobenen Armen auf die Beamten zugegangen. Hätte er das nicht so schnell getan, sei er erschossen worden. Die Beamten hatten befürchtet, er könne Sprengstoff am Körper tragen.
Unterdessen verdichten sich die Hinweise darauf, dass Breivik die Anschläge allein ausgeführt hat. Die Chefin des norwegischen Geheimdienstes PST, Janne Kristiansen, bezeichnete ihn Berichten zufolge als "einsamen Wolf, der unter alle unsere Radarsysteme schlüpfen konnte". Dem britischen Sender BBC sagte sie: "Breivik hat allein gehandelt." Sie wies außerdem die Vermutung von Breiviks Anwalt Geir Lippestadt zurück, der Attentäter sei geisteskrank.
Norwegens Premierminister Jens Stoltenberg kündigte eine umfassende Aufklärung der Anschläge an. Norwegen arbeite mit den Geheimdiensten mehrerer Länder zusammen, sagte er auf einer Pressekonferenz. Stoltenberg betonte, das Land werde sich von der Gewalt nicht einschüchtern lassen. "Die Antwort von Norwegen auf Gewalt ist immer mehr Offenheit, mehr Demokratie." Zwar akzeptiere man verschiedene Ansichten, selbst extremistische. "Aber wir werden nie Gewalt akzeptieren."
Quelle: welt.de
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